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Covid-19 Diary

Ein sehr persönliches Tagebuch

Corona hält die Zeit nicht an, aber lässt die Uhren langsamer laufen.

Lies den Blog und erfahre, wie sich Covid-19 für einen Deutschen in Bénin anfühlt! Einen vollen Monat tägliche Corona-Einträge. Danach sporadische, ereignisbezogene Fortführung des Tagebuchs.

Kick-off für die beninische Covid-19-Kampagne. Die Maßnahmen gelten für zunächst zwei Wochen – mit Option auf Verlängerung. Schulfrei. Universitätsfrei. Einen bzw. zwei Meter Abstand zu anderen Personen halten. Beim Auftreten grippeähnlicher Symptome …

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Samstag 16. Mai

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, die Taufdelegation kommt – so wie es die Corona-Verordnung vorschreibt, natürlich maskiert – mit dem Moped. Ich habe den Hof entrümpelt, die Kompostecke mit Brettern abgedeckt und mit Pflanzenkübeln dekoriert. Die Besucher nehmen auf den bereit gestellten Stühlen und auf der auf dem Boden ausgelegten Matte Platz. Man kennt sich – alle gehören zur Familie oder zum erweiterten Kreis. Ich habe zwei Camcorder in Stellung gebracht, um diesen großen Moment in Bildern festzuhalten.

Weil ich Taufeltern bin, kann ich nicht mit der Kamera herumlaufen oder –hantieren. Die Bilder werden also statisch und die Einstellungen nicht optimal sein. Aber um die cineastische Inszenierung geht es hier auch nicht – unser Kind wird heute seinen Namen bekommen. Den Namen, der es sein ganzes Leben hindurch begleiten wird. Das ist etwas Großes.

Ich genieße den unprätentiösen, intimen Ablauf unserer Taufe. Weil Ramadan ist, wird nichts angeboten oder konsumiert. In nicht ganz zwei Stunden ist die Taufe vollzogen und die Delegation tritt die Rückfahrt an. Jetzt hat unser Baby einen Namen. Morgen werden wir so wie es die Tradition vorsieht die Haar schneiden.

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Freitag 15. Mai

Das Baby ist wie die meisten Neugeborenen an einen umgekehrten Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt. Tagsüber wird geschlafen, in der Nacht wird gequengelt und an Bewegung nachgeholt, was den Tag über liegengeblieben ist. Die letzte Nacht war entsprechend anstrengend. Trotz großer Müdigkeit müssen wir heute früh aufstehen um unser Baby impfen zu lassen. Wer spät bei der Impfstelle ankommt, muss wegen der langen Warteschlange evtl. zu einem anderen Termin wiederkommen.

Obwohl das Impfzentrum in Calavi geräumig ist und sich vieles unter freiem Himmel abspielt, sitzen die Mütter auf langen Bänken dicht aneinander gedrängt im schattigen Wartebereich. Wenn man nicht schon krank ist – hier wird man es. Meine Schwägerin ist mitgekommen. Sie hält das Baby auf dem Arm und stellt sich zum Impfen an. Ein Piks, und das Kind ist gegen Polio, Tuberkulose und eine weitere Krankheit geschützt – welche genau wüsste ich auch gerne.

An der Körperstelle der späteren Impfnarbe lässt sich ablesen, in welchem Land das Kind geboren und geimpft worden ist – eine Art medizinischer Herkunftsnachweis. Nigerianer haben ihre Impfnarbe an einer anderen Stelle als Beniner, Ghanaer an einer anderen als Guineer. Das wird schon viele Jahre so praktiziert. An der Narbe lässt sich ablesen, woher jemand eigentlich kommt.

Zurück zehause, führen wir einige Telefonate. Es geht um die Taufe.

Unser Baby wird morgen Vormittag in kleiner Runde ihren Namen erhalten. Tante D. hat das Ganze von unterwegs aus organisiert. Das festliche Zusammensein mit Familie und Freunden wollen wir in einigen Wochen in Parakou nachholen.

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Donnerstag 14. Mai

Wir haben Termin in der Klinik, um den Kaiserschnitt auf seine Heilung zu kontrollieren und den Verband zu erneuern. Alles sieht gut aus. Im Flur der Geburtsklinik drängen sich wieder einmal die Besucher, ohne den Mindestabstand von ein oder zwei Metern einzuhalten. Um abzuhelfen, ziehe ich meinen Sessel zur Seite. Man kann ja wenigstens so tun als ob.

Wir nutzen die Gelegenheit, um und auf dem Rückweg auf dem größten Frischemarkt Cotonous mit Obst und Gemüse einzudecken. Auf dem Weg vom Markt nachhause werde ich an der Ampel von einem Polizisten aus dem Verkehr gezogen – ich habe meine Maske am Hals baumeln lassen. Hinterm Steuer, bei geschlossenem Fenster, finde ich das ehrlich gesagt auch nicht schlimm.

Unser Argument, uns bitte wegen eines zuhause wartenden Babys keine zu großen Schwierigkeiten zu machen, findet Gehör. Wir kommen noch einmal mit einer Verwarnung und einem Tipp von 3000 statt 12000 CFA Strafe davon. Einer der Polizisten muss mir noch einen Spruch mitgeben: „Kannst du bitte deine Maske hochziehen, um mich nicht mit deiner französischen Krankheit anzustecken!?“ – immer sind’s die anderen, das ist wohl weltweit so.

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Mittwoch 13. Mai

Morgens kommt Tante D. zu Besuch. Sie bringt meiner Frau leckere Dinge mit und bietet an, das Baby gründlich baden. Das Baby ist danach blitzblank und wohlgelaunt. Vielleicht auch, weil sich die Stillproblematik schrittweise erledigt. Die künstliche Milch ist jetzt nicht mehr Hauptnahrungsmittel, sondern strategische Reserve, die wir bei Gelegenheit zufüttern.

Mittags klingelt es an der Tür. Beladen mit getrockneten Wildkräutern steigt die Schwester vom Moped-Taxi. Die Frauen genießen das Wiedersehen. Die Schwester trägt die Schlafmaske einer Fluglinie als Mund- und Nasenschutz. Das kann man übrigens öfters sehen, das ist nichts Besonderes

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Dienstag 12. Mai

Die gestrige Nacht war abenteuerlich. Stillen ist noch ein Problem und die Flaschennahrung ist eben doch nicht das Original. Priorität Nr. Eins ist deshalb vom Flaschen- in den Stillmodus überzugehen. Ich tu was ich kann, um es meiner Frau angenehm zu machen. Ihre ältere Schwester wäre bereit, uns für einen Monat zur Seite zu springen. Sie soll bei Kindern wahre Wunder vollbringen.

Allerdings möchte sie die Entscheidung nur mit Zustimmung der Familie treffen. Meine Frau spricht am Telefon mit Ihrem Mann und erhält eine Zusage. Die kleineren Kinder werden für den Zeitraum der Abwesenheit von der Mutter meiner Frau, also der Großmutter mitversorgt. Ich freue mich für uns.

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Montag 11. Mai

Hund, Hühner, Pflanzen. Alles muss versorgt werden. Die Papaya- und Zitronen-Sprösslinge schießen ins Kraut, die Mangos entwickeln sich ebenfalls erfreulich gut. Die Hühner sind, seit es den neuen Stall gibt, herrlich unkompliziert. Der Hund beißt und leckt immer noch herum – er meint das freundschaftlich – und Hören, wie heute am Strand, war auch schon besser.

Bei für ihn interessanten Gerüchen (sprich Abfall), Joggern oder entlang der Wasserlinie abgesetzten Hinterlassenschaften der lokalen Bevölkerung schaltet er von sozialer Anpassungsbereitschaft auf Autonomie um. Dann wird er zum unbekannten Hund, und man kann 100 Mal „komm“ rufen ohne dass etwas passiert. Eine typische Eigenschaft der Local Chiens, meint meine Frau. Bei fremden Hunden läuft er ohne die Folgen zu kennen, einfach hinterher.

Kurz nachdem ich bei meiner Frau angekommen bin, kommt auch Tante D. mit ihrem Fahrer herein. Sie hat wieder tolles Essen mitgebracht. Einen Teil davon werden wir mit nachhause nehmen, wenn meine Frau heute aus der Klinik entlassen wird. So zumindest ist es vorgesehen. Die letzte Schmerz-Serum Infusion landet am frühen Nachmittag in der Vene und der Katheter kann entfernt werden. Der Verband über der Bauchwunde wird noch einmal erneuert. Kontrolltermin ist am Donnerstag.

Unserem Baby geht es gut und wir diskutieren die Namensfrage. Donnerstag in aller Frühe wird sich Tante D. auf den Weg in den beninischen Norden machen, um ihren Mann bei den landesweiten Kommunalwahlen zu unterstützen. Wann und wie taufen? Wir diskutieren das. Die Diskussionen haben aber schon bald ein Ende. Der Infusionskatheter wird entfernt und wir packen die Taschen. Mit dem Baby auf dem Schoß treten wir den Heimweg an. Unterwegs besorgen wir noch ein mit Moskitonetz ausgestattetes Es tut gut, zuhause zu sein.

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Sonntag 10. Mai

Nach der obligatorischen Runde am Strand kümmere ich mich um Hühner und Pflanzen. Die Papaya- und Zitronen-Sprösslinge schießen ins Kraut, die Mangos entwickeln sich ebenfalls erfreulich gut.

Als ich um ca. 11 Uhr die Tür zum Patientenzimmer öffne, ist Tante D. damit beschäftigt, das Baby zu baden. Meine Frau sitzt mit einem Sesselpolster im Rücken auf dem Bett. Tante D.s Fahrer ist mit dem Handy beschäftigt.

Das Baby hat immer noch nichts gegessen. Meine Frau hat keine Milch. Ich spreche eine Hebamme oder Schwester darauf an. Es ist die junge Frau von gestern, das uns den Weg zum Kinderarzt gezeigt hat. Sie meint, ich müsse in diesem Fall einen Pädiater aufsuchen, um mir dort  die geeignete Neugeborenen-Milch verschreiben zu lassen. Ich sage ihr, dass ich genau das nicht tun werde, die Milch käme von Nestle und nicht vom Pädiater. Ich würde also stattdessen kurz quer über die Straße zur Apotheke gehen und dort den Muttermilchersatz kaufen.

Was ich dann auch tue, Tante D. begleitet mich. Als wir von der Apotheke zurück sind und das Fläschchen zubereiten wollen, scheitern wir zunächst an der unleserlich klein geschriebenen Gebrauchsanleitung. Ein Anruf bei Tante D.s Tochter R., die von Beruf Ärztin ist, hilft uns weiter: Ein Messlöffel auf 30 Milliliter.

Tante D. hat auch zu Essen für meine Frau mitgebracht – eine die Milchproduktion ankurbelnde Grütze, eine selbstgemachte Hühnersuppe und Akassa-Maispastete mit geräuchertem Fisch und Soße. Meine Frau macht sich mit Appetit darüber her. Von der Klinik gab es nichts zu essen. Tante D. macht sich um etwa 14 Uhr mit dem Versprechen, morgen wiederzukommen, auf den Heimweg. Ich leiste meiner Frau und dem Baby, das auf einer kleinen Schaustoffmatratze mit Mückennetz liegt, bis 18 Uhr Gesellschaft. Corona? Weil wir das Fernsehen auf dem Zimmer nicht in Gang bekommen, ist das Thema wegen fehlender medialer Berichterstattung noch weiter weg als sonst. Ich selbst trage eine Maske.

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Samstag 09. Mai

Heute soll unser Kind kommen.

Im Zwielicht des Tagesanbruchs nehmen wir das Auto. Bis zur Klinik sind es etwa 30 Minuten. Kurzer Exkurs in das beninische Gesundheitswesen: Es gibt öffentliche und private Kliniken.

In einer öffentlich Klinig kann es passieren, dass unser Kaiserschnitt im Beisein unzähliger Praktikanten durchgeführt würde –  mit allem was an Klangteppich, Ausdünstungen und Infektions-verdächtigen Absonderungen dazu gehört. Die selbst bezahlten Arzneimittel würden uns wahrscheinlich aus dem Karton unterm Bett weggeklaut – so zuletzt bei einer schmerzmedizinisch anspruchsvoll zu versorgenden Tante geschehen. Die Schmerzmittel waren nicht erst nach dem Ableben der Tante, sondern bereits zu deren Lebzeiten weg.

Bei privaten Kliniken andererseits sind die Kosten häufig intransparent und die Versorgung mit dem erforderlichen Drumherum ist extrem umständlich. Man muss tatsächlich alles in eigener Regie besorgen: Vom Schmerzmittel über medizinische Hilfsmittel wie Einmalskalpell, Verbandszeug, Pflaster oder Spritze bis zu Abendessen, Frühstück und Getränken. Außerdem sind lästige und Kosten treibende Termine zur Nachversorgung und bei externen Spezialisten an der privaten Tagesordnung.

Corona? Händewaschen und Maske sind privat wie öffentlich Routine. Allerdings kommt mit den Abstandsregeln eigentlich kaum jemand wirklich klar – auch weil die Architektur der privaten oder öffentlichen Einrichtungen gewünschte Personen-Abstände oft gar nicht zulässt. Auf engen Fluren und in überfüllten Wartezonen rückt man sich dort notgedrungen auf die Pelle.

Wie verabredet schlagen wir um 6 Uhr auf und parken unseren Wagen. Ich helfe meiner Frau aus dem Auto, nehme den Geburtskoffer und klopfe an das Kliniktor. Ein Nachtwächter macht uns auf. Bis zur Messung von Blutdruck und Temperatur vergeht einige Zeit. Danach erfolgt das Anlegen der OP-Kleidung. Um 7:30 schließlich gibt es kein Zurück mehr. Oder doch? Meine Frau ist schon im Kreißsaal, als eine Schwester aufgeregt heraus kommt und die Quittung für den vorzunehmenden Kaiserschnitt sehen will. Ohne Zahlungsbeleg kein OP. Es geht um 350.000 CFA –umgerechnet etwas mehr als 530 Euro. Meine Frau hat das Geld bar dabei, wie sich herausstellt, und die Kreißsaal-Tür schließt sich vor mir.

Ich warte in der Patientenvorbereitung. Corona spielt jetzt keine Rolle. Was jetzt zählt ist die Sorge um die geburtserschwerenden Belastungen, die den Ausschlag für Kaiserschnitt statt natürlicher Geburt gegeben haben. Was mich beschäftigt, ist die Sorge aller werdenden Eltern, dass das Kind gesund ist. Dass Mutter und Kind die unausweichliche Durchtrennung ihrer siamesischen Verwachsung unbeschadet überstehen. Dass das Kind losgelöst von Nabelschnur und Fruchtwasser seinen ersten befreienden Schrei tut.

Der dann endlich kommt. Einen Moment später betritt die Hebamme den OP-Vorraum und beginnt in einer Art Nische mit der Versorgung des Neugeborenen. Flüssigkeit aus Mundraum und Bronchien absaugen. Die pastöse Fruchtschmiere des mit Vaseline herunter massieren. Messungen vornehmen und das Kind anziehen. Wir sind zwar in Afrika – aber so homöostatisch temperiert wie im 37 ° warmen Mutterleib ist es selbst hier nicht.

Was sich im Kreißsaal unter den Augen der Gynäkologin und des Personals abgespielt hat, bleibt deren Geheimnis – teilweise gelüftet durch meine Frau, die in ihrem OP-Kittel trotz Schmerz- und Beruhigungsmitteln das eine oder andere mitbekommen hat. Am Anfang bockte zunächst die Technik, weshalb bis zum Eintreffen der Gynäkologin, die sich mit den Geräten ausreichend auskannte, um den Fehler zur beheben, mehrere Mess- und Kontrollfunktionen nicht zur Verfügung standen.

Bei Technik und Ausstattung handelt es sich im Allgemeinen um in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführte, ehemalige Spenden- und Hilfsgüter. So sehen die Sachen zumindest aus. Der Rest ist Improvisation. Was aber andererseits bedeutet, dass ein Großteil medizinischer Leistungen ohne überbordende Medizintechnologie und Neuheiten-Schnickschnack erbracht werden können.

Der beninische Kaiserschnitt ist nicht schlechter als der von einem deutschen Krankenhaus. Die Peridual-Anästhesie nebst flankierender Schmerz-Medikamention funktioniert hervorragend. Wie gesagt, ist die chirurgische Herausforderung komplexer und anspruchsvoller als bei einem herkömmlichen Kaiserschnitt.

Bevor aber die Nadel zum Michael Jackson Sound vom Handy (nicht die Wahl meiner Frau sondern der externen Anästhesistin, die über die Woche in einem öffentlichen Krankenhaus Dienst tut) in den Rückenmarkskanal geschoben wird, hat meine Frau noch das Erlebnis einer auf dem Kreissaal-Boden herumwuselnden, daumengroßen Schabe. Ein beherzter Tritt und das Insekt verwandelt sich in eine Komposition aus Exoskelett-Trümmern und Soße.

Um etwa 13 Uhr kommt eine Schwester in das Wochenzimmer (Meine Frau ist noch im Aufwachraum) und meint, dass Baby müsse einem Kinderarzt vorgeführt werden. Zum Glück ist die Tochter von Tante D., R. zu Besuch gekommen, so dass ich nicht völlig allein dort hin muss. Der Pädiater ist nämlich nicht im Haus, sondern muss extern aufgesucht werden.

Obwohl mir die Sache absolut nicht gefällt, fahre ich in Begleitung von R. und einer Schwester, die angeboten hat, uns zu zeigen, wo der Kinderarzt seine Praxis hat, mit dem nur wenige Stunden alten Baby durch Abgase und Mittagshitze. R. hält auf dem Rücksitz das Baby im Arm, Auf dem Beifahrersitz sitzt die Schwester.

Beim Kinderarzt bekommt das Neugeborene Blut abgenommen. Der Kinderarzt führt ein kurzes Anamnese-Gespräch mit uns. Die uns begleitende Schwester hat sich bereits mit dem Moped-Taxi auf den Rückweg zur Klinik gemacht. Der Pädiater will wegen irgendwelcher Fruchtwasserverunreinigungen am nächsten Tag bzw. montags noch ergänzende Untersuchungen durchführen. R. leistet eine Kosten-Vorauszahlung von 4000 CFA.

Als ich schließlich um 18 Uhr wieder ins Auto steige, hat meine Frau ihr erstes Getränk des Tages, einen Zitronengrastee, getrunken. Tee und Zucker gibt es nicht von der Klinik, sondern für 1000 CFA als Mitbringsel vom Markt. Wegen des Kaiserschnitts soll meine Frau noch nicht stillen. Meine Tochter bekommt hilfsweise kleine Mengen Serum mit einer Spritze ohne Nadel verabreicht. Das Serum kommt aus dem Karton unterm Bett. Alles in diesem Karton musste von draußen beschafft und zusätzlich bezahlt werden.

Nachträgliche Ergänzung vom 17.05.2020: Die spätere Nachberechnung der tatsächlichen Ausgaben hat ergeben, dass der Kaiserschnitt nicht circa 500, sondern tatsächlich etwa 750 Euro gekostet hat.

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Freitag 01. Mai

Die Hühner werden immer unverschämter. Und sie wissen was gut ist. Als ich zum Beet gehe, um nach den Pflanzen zu sehen, muss ich feststellen, dass sie die Minze und einige Heilkräuter regelrecht hingerichtet haben. Ich beschließe, noch mehr Maschendraht zu kaufen und die Beete einzuzäunen. Ansonsten können wir die Hühner nicht mehr frei laufen lassen. Ich habe keine Lust, dass sie uns alle kleinen Pflanzen kaputt machen. Gestern hatte ich schon behelfsmäßig um einen Teil des Beetes Zementsteine aufgebaut. Da haben sie nur dumm geguckt und sich umso intensiver um die ungeschützten Pflanzen gekümmert. Beim Eisenwarenhändler ist der Maschendraht ausgegangen – aber er wird welchen besorgen und ich kann ihn morgen abholen. Keiner kümmert sich da sonderlich um Corona. Ich habe das Gefühl, dass die Leute das Thema langsam leid sind. Ich frage mal meine Frau wie ihr Eindruck ist und sie bestätigt mir, dass es allgemein stiller darum geworden ist, dabei sind künstlerischen Ausdrucksformen Comedy usw. mitumfasst. Es ist eigentlich mehr oder weniger alles darüber gesagt. Der Erste Mai ist für mich vielleicht auch eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehenund eine Zäsur vorzunehmen. Die Bilanz kann noch warten, die Cäsur erachte ich aber angesichts anderer Themen und Notwendigkeiten für quasi unvermeidlich: Ich werde die Schlagzahl von täglich auf sporadisch und situationsgetrieben herunterfahren.

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Donnerstag 30. April

Meine Frau hat sich von den Argumenten der Anästhesie-Ärztin überzeugen lassen und bricht das Fasten ab. Wir bleiben heute zuhause. Jeder geht ganz in Ruhe seinen Tätigkeiten nach. Zwischendurch hat unser Baby-Bett Generalprobe.

Wir haben ein sich quasi selbst aufbauendes Bettchen gekauft – es ist ähnlich wie beim Zeltaufbauen: Wenn man erst mal verstanden hat wie es geht, ist es ganz einfach! Ich sitze mehr oder weniger den ganzen Tag am Computer und bin für Unterbrechungen wie diese dankbar. Abends – bevor ich meine unvermeidlichen drei Datteln zu mir nehme – mache ich noch ein bisschen Lockerungs- und Dehnübungen. Das Gas ist zu Ende ruft mir meine Frau aus der Küche zu. Dann müssen wir wohl morgen Gas kaufen gehen.